Vergessenes Wiesbaden - Fotos von Thomas Witzel
 

 

...Einblicke in eine Fotoserie von Thomas Witzel

 

 

 

 

 

 

 

Didier-Werke (Biebrich)

 

Didier-Werke Äppelalle Blick nach Norden auf die Gibb Didier-Werke Biebrich

 

 

Eine architektonische Kuriosität besonderer Art stellen die Didierwerke (Äppelallee) dar. Gelegen in der Nähe des Biebricher Schlossparks in unmittelbarer Nähe zum Gibber Bahnhof, machte die Ansammlung der Gebäude eher den Eindruck von Stückwerk, als den einer durchdachten Planung. Denn keines der ineinander verschachtelten Gebäude gleicht dem anderen in Höhe, Form oder Materialverwendung. Doch die besondere Attraktion war sicherlich der riesige Schornstein über dem Hochofen der Baustoff-Fabrik. Als dieser in den 80er Jahren gesprengt wurde, verlor Biebrich gleichermaßen einen Schandfleck wie auch ein Wahrzeichen.

 

 

 

 

 

 
 

Theodor Wagner (Schiersteiner Straße)

 

Theodor Wagner Schiersteiner Straße Theodor Wagner Geisenheimer Straße

 

 

Die Elektrotechnische Fabrik C. Theodor Wagner befand sich in direkter Nachbarschaft zum Krankenhaus Paulinenstift. Doch stand das mächtige Backsteingebäude so versteckt, dass wohl kaum jemand das Verschwinden dieses Industriedenkmals bemerkte. Um noch die letzten Fotos aufnehmen zu können, war es sogar notwendig, unbefugte Bereiche des Krankenhauses zu betreten sowie die Bewohnerin eines gegenüberliegenden Wohnhauses dazu zu bewegen, die Kakteen vom Fensterbrett ihres Schlafzimmers zu entfernen. Ein Opfer, für das wir ihr heute dankbar sind. 
 
 

 

 

 

 

 
 

Ruthof Schiffswerften (Mainz-Kastel)

 

Ruthof Mainz-Kastel Ruthof Wiesbadener Landstraße Ruthof Biebricher Straße

 

 

Wer hätte gedacht, dass Wiesbaden (und Mainz-Kastel gehört kurioserweise dazu) einmal eine Schiffswerft hatte? Nur noch der Name einer Bushaltestelle erinnert an die weitläufige Anlage. Hier wurde beispielsweise 1928/29 der letzte am Rhein gebaute Raddampfer hergestellt und damit das Ende der Dampfschifffahrt eingeleitet. Das lange leerstehende Areal wurde sogar mehrmals von Dromedaren heimgesucht (als Übergangsherberge für einen Zirkus). Inzwischen lassen neue Wohnhäuser und Firmengebäude kaum mehr ahnen, was einmal hier stand.  
 

 

 

 

  

 
 

Wiesbadener Hauptbahnhof

 

Friseur Alex Fuhrmann Hauptbahnhof Friseur am Hauptbahnhof

 

 

Nur selten findet man eine so klassische anmutende Ladengestaltung der 50er-Jahre wie im Hauptbahnhof Wiesbaden (West-Eingang). Klare Linienführung, edle Farbgebung - und doch ein typisches Beispiel seiner Zeit. Neben der Außenfassade, die ganz in Schwarz und Chrom gehalten wurde, fällt der aus heutiger Sicht wundervoll nostalgische Waren-Automat ins Auge. Ebenfalls ganz aus Chrom, war es seinerzeit immer ein besonderes Vergnügen, eine der Klappen zu öffnen, um dem edlen Gerät die stark überteuerten Papiertaschentücher zu entnehmen.
 

 

 

 

  

 
 

Hallenbad (Mainzer Str.) - Kartonagenfabrik (Berliner Str.)

 

Hallenbad Mainzer Straße Kartonagenfabrik Berliner Straße

  

 

Wie überall hat sich auch in Wiesbaden in den letzten Jahrzehnten Vieles verändert: Das Hallenbad in der Mainzer Straße bekam einen neuen Schornstein (natürlich keinen so schön verzierten), die kunstvoll-naiven 50er-Jahre Mosaike der Schiersteiner Sparkasse wurden verputzt und überpinselt, die Rheinterassen des Weinhaus Jöst am Biebricher Rheinufer wurden abgerissen. Kein Baba-Bier-Junge (Wiesbadener Landstraße) und keine Warta-Seifen-Reklame (Stettiner Straße) zieren mehr die Hauswände. Ob Marzipan-Haus oder Becker Kartonagenfabrik - alles Geschichte. 

Was für ein "Glück", das dies alles noch rechtzeitig fotografiert wurde...   

 

 

 

 

    

 
 

Vergessenes Wiesbaden bei Nacht

 

Musik-Stricker An den Quellen Strumpf-Vitrine Marktstraße Atelier-Kino Moritzstraße

 

 

Dass auch die nächtliche Erscheinung der hessischen Hauptstadt Verluste hinnehmen musste, davon zeugen die Fotos von alten Wiesbadener Leuchtreklamen. Die riesige Pfeife des Tabak-Hauses, die Kleiderpuppe vom Modehaus Krennrich oder der Walhalla-Schriftzug sind ebenso verschwunden wie das Hohner-Männchen von Musik Stricker oder die schon von Weitem sichtbare Kalle-Leuchtreklame. Leider können die Fotos nur einen Teil der besonderen Atmosphäre widergeben, die diese "Signale der Dunkelheit" ausgetrahlt haben. So wie die Innenleuchten des Atelier-Kinos in der Moritzstraße: Jedes Stück ein Original. 

 

 

 

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